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Feindbild Fan der Berliner Polizei kennt keine Grenzen

Auch heute noch blicken wir fassungslos auf die Geschehnisse vom Samstag. Die negative Entwicklung der vergangenen Monate seit dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden gipfelte in den gewaltätigsten Übergriffen der Berliner Polizei gegen Herthafans seit mehreren Jahrzehnten.

Immer wieder haben wir vor einer solchen Eskalation gewarnt und auf die Zunahme polizeilicher Provokationen hingewiesen. Zahlreiche Vermittlungs- und Gesprächsangebote durch Vereinsvertreter wurden jedoch von Seiten der Polizei und der Innensenatorin ausgeschlagen. Die von der Einsatzleitung langfristig vorbereitete Eskalation folgte dann vor der Ostkurve.

Ins negative Bild des Tages reihen sich ebenfalls Übergriffe der Polizei gegen die Gästefans aus Gelsenkirchen nahtlos ein. Laut Königsblauer Hilfe wurden Fans im Gästebereich durchgehend provoziert und bei der Abreise kam es am S-Bahnhof Olympiastadion zu massiver Polizeigewalt.

Und auch im Nachgang unterstreicht die Berliner Polizei mit ihrer veröffentlichten Mitteilung zu ihrem Einsatz die fehlende Grundlage und Unverhältnismäßigkeit ihres Handelns. Gespickt mit eklatanten Widersprüchen zur eigenen Darstellung am Samstagabend, fehlerhaften Informationen, im Konjunktiv formulierte Spekulationen die als Fakten herhalten sollen und krampfhaften Versuchen eine Rechtfertigung für den beispiellosen Gewaltexzess der Beamten zu finden, fehlt jeglicher Ansatz der Reflexion. 

Vielmehr wird das, durch das Verhalten der Beamten provozierte, Verweilen der Fans an einem Ort im Stadion als Störaktion deklariert und später ein Szenario fliegender Glasflaschen beschrieben, das faktisch gar nicht stattgefunden haben kann. Als angeblicher Auslöser und Begründung für die Eskalation wird nun eine neue fragwürdige Notwendigkeit des Einsatzes im Umlauf der Kurve benannt, obwohl die Konfrontation nach dem Spiel selbst noch damit begründet wurde, dass Fans die Beamten mit Schlagwerkzeugen angegriffen hätten.

Auch das weitere Beharren auf der Darstellung lediglich leicht verletzter Fans verhöhnt die Betroffenen des polizeilichen Gewaltexzesses. Mindestens vier Fans mussten umgehend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei Personen wurden erhebliche Gesichtsverletzungen durch die Beamten zugefügt mit Verdacht auf weitere Schäden am Kopf. Durch Schläge und Tritte verlor ein Fan kurzzeitig das Bewusstsein. Einer anderen Person wurde durch einen Faustschlag die Nase gebrochen. Das brutale Vorgehen der Polizei hat ebenfalls dazu geführt, dass auch Personen, die nicht der aktiven Fanszene zugerechnet werden können, verletzt worden sind. Darunter auch Angestellte von Hertha BSC, die das Geschehene, genauso wie gewählte Gremienvertreter des Vereins, aus der Nähe beobachten konnten.

Damit jedoch nicht genug: Mehrere vermummte und behelmte Einsatzkräfte hinderten am Abend auch noch Freunde der Verletzten daran, zu ihnen zu gelangen. Behelmt und in Vollmontur positionierten sich die Einheiten direkt vor dem Eingang zum Krankenhaus, während weitere Polizeikräfte die sich in der unmittelbaren Umgebung des Krankenhauses befindlichen Freunde durch die Straßen jagten und teilweise deren Personalien feststellten.

Ein weiterer daraus resultierender und anscheinend gewünschter Effekt war, dass Verletzte aus Sorge vor weiteren Repressalien andere Rettungsstellen aufsuchen mussten und sich dadurch die dringend notwendige ärztliche Versorgung verzögerte. 

Auch liegen uns zahlreiche Schilderungen weiterer Fans vor, die trotz gesundheitlicher Beschwerden davon gänzlich abgesehen haben eine Notaufnahme aufzusuchen, aus Angst dann ins Visier der Beamten zu geraten.

Wir sind und bleiben fassungslos ob dieser Szenen. Das „Feindbild Fan“ der Polizei scheint keine Grenzen mehr zu kennen.

Unverletzlichkeit der Wohnung nicht für Fußballfans?!

Am 14.01.2026 flogen zum wiederholten Mal in der jüngeren Vergangenheit die Türen bei einigen Herthafans auf. Erneut ging es hierbei strafrechtlich um Lappalien. Diese Hausdurchsuchungen reihen sich in die zunehmend repressivere Arbeit der Berliner Polizei ein und können daher nicht losgelöst von dieser betrachtet werden. Diesmal wurden jedoch rechtsstaatliche Grenzen derart überschritten, dass selbst wir als Fanhilfe überrascht sind. Grund genug für uns, die Maßnahme als das zu benennen, was sie war – nämlich schlicht eklatant rechtswidrig und menschenunwürdig.

So wurde der Mehrheit der Betroffenen der Durchsuchungsbeschluss erst nach Betreten der Wohnung und teilweise erst nach Drängen der Betroffenen selbst vorgelegt. Die freiwillige Mitwirkung der Betroffenen wurde ignoriert, das Angebot, die gesuchten Gegenstände herauszugeben, um somit den Durchsuchungsbeschluss zu erfüllen, wurde ausgeschlagen.

Zimmer von Familienangehörigen wurden ohne entsprechende rechtliche Grundlage ebenfalls durchsucht. Der Vater eines Betroffenen musste sich gar mit erhobenen Händen an die Wand stellen, obwohl er zu keinem Zeitpunkt offiziell Betroffener der Maßnahme war. Die Mutter eines Betroffenen wurde beim gewaltsamen Stürmen der Wohnung – selbstredend ohne vorheriges Abwarten des selbstständigen Öffnens – körperlich angegangen.

Da die Durchsuchungen um 6 Uhr morgens stattfanden, waren zwei Betroffene beim Eintreffen der Beamten noch unbekleidet. Hierauf reagierten diese nicht etwa durch die Wiederherstellung der Privatsphäre, vielmehr wurde das Ankleiden der Personen sogar verweigert und erst nach mehrfachem Insistieren gestattet. Während der Durchsuchung waren die Beamten teilweise durchgängig vermummt und bewaffnet – ein Beamter gar mit einer Maschinenpistole.

Auch bei den beschlagnahmten Sachen ging es den Beamten nicht um Aufklärung oder Strafverfolgung. Vielmehr stand offensichtlich die Demütigung und das Zermürben der Betroffenen im Vordergrund. Anders ist es nicht zu erklären, dass einem Betroffenen seine Uhr – ohne dies im Protokoll zu vermerken – einem anderen sein fürs Studium benötigte Tablet während der Klausurenphase und bei einer weiteren Person wurden wiederum die Klamotten seiner Fangruppe beschlagnahmt. Darüber hinaus wurden von nicht beschlagnahmten persönlichen Gegenständen bis hin zu Passwörtern Fotos angefertigt.

Mehreren Betroffenen wurde der Zugang zu anwaltlicher Vertretung verweigert oder zumindest erschwert. Einer Person wurde das Telefonieren mit dem Rechtsbeistand lediglich nur über Lautsprecher und unter Mithören erlaubt. Einem Anderen wurde versucht, die eigene Anwaltswahl auszureden. Nach Abschluss der Maßnahme wurden die Wohnungen verwüstet hinterlassen, teilweise wurden gar die Lebensmittel von den eingesetzten Beamten durchsucht und entsprechende Unordnung geschaffen.

Eine Hausdurchsuchung ist immer ein tiefer Eingriff in die Grundrechte von Betroffenen, insbesondere in das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 GG. Daher ist eine Durchsuchung der Wohnräume nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Zwar gibt es rechtlich keine Vorschriften dahingehend, hinsichtlich welcher Straftatbestände eine solche Maßnahme angemessen erscheint – in der Praxis wird sie jedoch häufig bezüglich eines der folgenden Delikte durchgeführt: Mord, Totschlag, Diebstahl, Hehlerei, Steuerhinterziehung, Kinderpornographie und Drogenhandel.

In den geschilderten Fällen ging es jedoch um Sachbeschädigung durch Graffiti an zwei Zügen und einen vermeintlichen Schaden von insgesamt 1.000,00 €. Die Betroffenen waren dabei mehrheitlich jünger als 21 Jahre, einer gar minderjährig. Weder die vorgeworfene Tat an sich noch die Straferwartung im Falle einer Verurteilung wäre daher auch nur ansatzweise vergleichbar zu den oben erwähnten Straftatbeständen.

Die Berliner Polizei hat mit diesem Vorgehen erneut und diesmal besonders eklatant den Boden des rechtsstaatlichen Handelns verlassen. Wir sind schockiert und empört darüber, uns einer Polizei gegenüber zu sehen, die zunehmend immer weniger Interesse an rechtmäßiger Arbeit, sondern schlicht an purer Provokation und Eskalation hat. Für uns ist klar, dass wir dies nicht stillschweigend akzeptieren, sondern vielmehr alle uns möglichen Wege ausschöpfen werden, um diesem rechtswidrigen Verhalten einen Riegel vorzuschieben.

Ein katastrophaler Einsatz und viele Fragen an die Polizei

Volle Hütte, für Anfang November erstaunlich mild und zwei große Fanlager. Ein Tag wie gemacht für ein stimmungsvolles Spiel. Jedoch wurde bereits in den Tagen vorher sehr deutlich, dass nicht alle in der Stadt daran ein Interesse hatten.

Die Berichterstattung, garniert mit reißerischen Aussagen angeblich anonymer Personen und heraufbeschworenen Horrorszenarien durch die Berliner Polizei, erreichte täglich neue Tiefpunkte. Selbst die Pressesprecherin des Vereins sah sich dadurch auf der Spieltagspressekonferenz dazu gezwungen, mit deutlichen Worten an alle zu appellieren, Spekulationen einzustellen.

Diese eindringliche Bitte scheint jedoch leider bei der Polizeiführung nicht angekommen zu sein. Dort ließ man sich ganz offensichtlich von der allgemeinen Hysterie anstecken. Ein nie dagewesenes Aufgebot samt Wasserwerfern und Vereinzelungsgittern wurde am Gästeeingang aufgefahren. Auch die Heimfanszene wurde ohne erkennbaren Grund und entgegen jeder Absprache zwischen Verein und Ordnungskräften beim Betreten des Stadion von den Einsatzkräften provoziert und bedrängt. Nur durch das Einschreiten der Fanbetreuung ließen sich die Einsatzkräfte letztlich stoppen.

Doch für die im Vorfeld hochgelobte und überall ausgerufene Sektorentrennung im Stadion waren dann offensichtlich keine Kapazitäten mehr vorhanden, da ein völlig falsches Einsatzkonzept gefahren wurde. Gängelungen und Provokationen waren Priorität für die Polizei. Mit Blick auf die aktuelle Sicherheitsdebatte kommen manche Bilder den Sicherheitsfanatikern gut zupass. Beachtlich sind in diesem Zusammenhang Aussagen einzelner Einsatzkräfte wie „im Stadion greifen wir nicht ein, lass die heute machen”. Damit steht der Vorwurf der gezielten Tatprovokation durch die Polizei im Raum.

Um die eigenen Fehltritte zu kaschieren und um Reaktionen zu provozieren, marschierten zusätzlich noch behelmte Einheiten auf der Tartanbahn vor der Kurve auf. Ebenso wurden Einheiten mit Hunden in der Halbzeitpause in den Umlauf über der Kurve positioniert. Beides eine bislang einmalige Aktion ohne Sinn und Verstand.

Es wird zu klären sein, warum sich die Einsatzleitung von einer aufgehetzten Berichterstattung hat treiben lassen und erneut einen Großeinsatz völlig fehlerhaft plante. Warum waren martialische Bilder am Gästeeingang wichtiger als eine konsequente Sektorentrennung? Und wie werden sich bei der Berliner Polizei die oben zitierten Aussagen der eigenen Einsatzkräfte erklärt? Waren sogenannte Tatprovokateure der Polizei im Einsatz, wie es nachweislich schon in der Vergangenheit im Olympiastadion der Fall war?

Viele Fragen bleiben offen, die von der Berliner Polizei beantwortet werden müssen.

Fans als Testobjekt: Englands Polizei setzt DNA-Spray ein

Bereits in der Vergangenheit wurden gegen Fußballfans immer wieder neue, weitergehende polizeiliche Maßnahmen eingesetzt, die völlig übertrieben waren bzw. sind. Diese wurden ganz bewusst durch die Sicherheitsbehörden im Fußballumfeld getestet und später auf andere gesellschaftliche Bereiche ausgedehnt. Beispiele hierfür sind unter anderem undurchsichtige und rechtswidrige Datenbanken, Aufenthaltsverbote und willkürliche Einschränkungen der Reise- und Bewegungsfreiheit.

Die englische Polizei geht nun einen weiteren unverhältnismäßigen Schritt, in dem sie sogenanntes DNA-Spray großflächig gegen Fans einsetzen wird. Dieses Spray ist auf den ersten Blick unsichtbar, klebt aber auf der Haut und kann noch monatelang unter UV-Licht nachgewiesen werden.

Es braucht nicht viel Fantasie, um vorherzusagen, dass eine einmal dadurch markierte Person als hinreichend verdächtig angesehen wird, egal ob sie eine Straftat wirklich begangen hat oder nicht. Gleichzeitig ist diese Langzeit-Markierung von einzelnen Fans auch ganz grundsätzlich völlig unverhältnismäßig. Denn auch in England sind die Fußballstadien sichere Orte.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahme doch noch zurückgenommen wird. Und bestimmt träumen auch schon die bekannten Scharfmacher von Polizeigewerkschaften und Innenpolitikern von einer Einführung dieses DNA-Spray hierzulande. Eine Einführung wäre in jedem Fall ein weiterer Radikalisierungsschritt im Umgang mit Fans und würde auf unseren lauten Widerstand treffen.

Nachfolgend findet ihr die übersetze Stellungnahme der Football Supporters’ Association vom 07. August 2025 (Quelle):

FSA-Erklärung: Einsatz von DNA-Spray durch die Polizei bei Fußballspielen

Nachdem in dieser Woche berichtet wurde, dass die Polizei von Cheshire plant, den Einsatz von DNA-Spray bei Polizeieinsätzen bei Fußballspielen auszuweiten, gab der Geschäftsführer der FSA, Kevin Miles, die folgende Erklärung ab: 

“Wir sind sehr besorgt darüber, dass Polizeikräfte weitgehend unbewiesene Technologien gegen Fans einsetzen.

Ein missbräuchlicher oder unüberlegter Einsatz von DNA-Spray durch Beamte könnte dazu führen, dass unschuldige Zuschauer in Strafverfahren verwickelt werden, für die es keinen Grund gibt.

Die Verhaftungsstatistiken zeigen weiterhin, dass Fußball eine überwältigend sichere Aktivität ist – mit nur 5,5 Verhaftungen pro 100.000 Zuschauer im letzten Jahr. Wir müssen uns also fragen: Ist dies notwendig und verhältnismäßig?

Besonders enttäuschend ist für uns – in einer Zeit, in der die Regierung Gesetze erlassen hat, um sicherzustellen, dass die Fans ein Mitspracherecht haben – das völlige Fehlen einer Konsultation durch die Polizei.”